Leitfaden zur erfolgreichen Suche
von
Werner Höbart

 


Wie in den meisten Lebenslagen macht auch bei Informationsrecherchen die Übung den Meister. Auf keinen Fall kann es also schaden, sich vor einer ausgedehnten Recherche mit dem verfügbaren Instrumentarium vertraut zu machen. Ein so gewonnenes 'Feeling' für die Treffsicherheit und die erreichbaren Datenbestände ist mehr als wichtig.

Die grundsätzliche Methodik der Suche ist aber bei allen Suchinstrumenten die gleiche, auch wenn sich die Feinheiten der Anwendung in verschiedenen Details unterscheiden. Die Lehrveranstaltung tut also gut daran, vor allem die Methodik zu vermitteln, die allen Suchinstrumenten gemein ist. Es handelt sich dabei um eine einfache, universale Logik, die den meisten aus der Mathematik (Mengenlehre) bekannt sein dürfte. Anzuwenden in Datenbanken unterschiedlichster Art, ob nun im Internet, auf CD-ROM oder 'online classic'.


 

RECHERCHETECHNIKEN

Da etwa beim traditionellen 'online classic' der Profis die Recherchen immer mit erheblichen Kosten verbunden waren, steht vor der eigentlichen Recherche am Gerät ein Prozeß der Vorarbeit, der die aufgewendete Zeit und weitgehend reduzieren soll. Nur durch strukturierte Vorbereitung offline (bevor man sich an die eigentliche Recherche am Gerät macht) kann der erfahrene Informationsvermittler den Zeitaufwand möglichst niedrig halten und trotzdem möglichst genau das gewünschte Ergebnis erhalten.

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Es gilt dabei eine Kompromißlösung zwischen gewolltem RECALL (Menge) und möglicher PRECISION (inhaltlicher Genauigkeit) zu erreichen. Eine absolut 'perfekte' Lösung gibt es wohl in keinem Fall! Aber je nach Benutzerfragestellung bieten sich die verschiedenen Lösungsansätze an:

 

(1) Most Specific First (MSF) - Ansatz

Hierbei wird zunächst nach dem spezialisiertesten Begriffsfeld der Benutzerfragestellung gesucht. Falls eine angemessene Zahl von Trefferdokumenten gefunden wird, ist die Recherche beendet, andernfalls wird die Recherche auf der nächsttieferen Spezialisierungsebene wiederholt. Der MSF-Ansatz führt mit einer minimalen Anzahl von Suchfragen zu einem befriedigenden Ergebnis. Er ist anwendbar, wenn in einer Benutzerfragestellung einzelne Begriffsfelder erheblich spezieller sind als andere.

(2) Lowest Posting First (LPF) - Ansatz

Dieser Ansatz geht genauso vor wie der MSF-Ansatz; nur wird statt des spezialisierten Begriffsfelds dasjenige mit der geringsten Trefferzahl in der Datenbank benutzt. Der Ansatz wird empfohlen, wenn die Benutzerfragestellung Begriffsfelder mit stark divergierender Trefferzahl enthält.

(3) Building Blocks (BBL) - Ansatz

Hierbei wird die Benutzerfragestellung in gleichrangige Begriffsfelder zerlegt, die unabhängig voneinander und anschließend miteinander verknüpft werden. Im Unterschied zu MFS und LPF wird hierbei die Suchstrategie ganz unabhängig von den wahrgenommenen Trefferzahlen aufgebaut. Die Technik setzt voraus, daß die Trefferzahlen bei den einzelnen Begriffsfeldern nicht stark voneinander abweichen und führt zu einem umfassenden Suchergebnis.

(4) Citation Pearl Growing (CPG) - Ansatz

Bei dieser Technik wird die Suche mit dem vertrautesten Begriffsfeld oder Einzelbegriff begonnen. Aus den gefundenen Trefferdokumenten werden dann weitere Begriffe extrahiert und die Recherche im Versuch-und-Irrtum-Verfahren ausgedehnt. Der CPG-Ansatz wird gerne benutzt, wenn man mit dem Thema der Fragestellung nur sehr wenig vertraut ist und das terminologische Feld nicht kennt.

(5) Successive Fraction (SFR) - Ansatz

Hier werden einschränkende Bedingungen inhaltlicher, aber auch formaler Art (z.B. Sprache, Erscheinungsjahr) so lange spezialisiert, bis keine weitere Bedingung mehr existiert oder aber eine zufriedenstellende Dokumentenmenge erreicht ist.

 

Der MSF, der LPF und der SFR-Ansatz sind von den während des Dialoges gewonnenen Informationen abhängig; mit diesen Ansätzen ist eine offline-Vorbereitung des Suchdialoges weniger Zielführend.
Der BBL-Ansatz verzichtet von vornherein darauf, die Suchstrategie von Informationen abhängig zu machen, die erst während des Online-Dialoges gewonnen werden, d.h., der BBL-Ansatz ist im Prinzip dialogfrei. Eignet sich besonders für eine offline vorbereitete Recherche (=Profimethode). Erfahrende Informationsbroker kommen mit einer durchschnittlichen Anschaltzeit von 7 Minuten aus!

(Vgl. Bunzel, Jürgen: Informationsvermittlung an wissenschaftlichen Bibliotheken: In: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie. 34 (1987), 5, Seite 343-377)

 


< ODER >


Ansätze, die kaum Vorbereitung voraussetzen:

(1) Most Specific First (MSF) - Ansatz
      >> das spezialisierteste Begriffsfeld
            (bzw. nächste Ebene)
      Fragestellung: sehr speziell

(4) Citation Pearl Growing (CPG) - Ansatz
      >> das vertrauteste Begriffsfeld
           (Versuch/Irrtum - weitere
            Begriffe extrahieren)
      Fragestellung: wenn Thema wenig vertraut

(2) Lowest Posting First (LPF) - Ansatz
      >> Begriffsfeld mit wenigsten Treffern
                                   benutzen
      Fragestellung: bei Begriffsfeldern
      mit divergierenden Trefferzahlen

 


Basiert auf VORBEREITUNG:

(3) Building Blocks (BBL) - Ansatz

      Fragestellung:
       unabhängige/gleichrangige Begriffsfelder

      >> offline-Vorbereitung !!!

      >> die definierten gleichrangigen
            Begriffsfelder werden mit Operatoren
            verknüpft



(5) Successive Fraction (SFR) - Ansatz
      >> Spezialisierung einschränkender Bedingungen (z.B. Erscheinungsjahr)
            bis keine weitere Bedingung mehr existiert
            oder eine zufriedenstellende Zahl an Treffern vorliegt